Luftsprünge statt Handy-Daddeln
Manche Förderanträge von Menschen mit Behinderung an die Damhorst-Stiftung sind beklemmende Hilferufe. Da offenbart etwa jemand dem Vorstand private Details über seine materielle Situation und erbittet ein wenig Reisegeld, damit er endlich einmal ein paar Tage seinem tristen Alltag entfliehen kann.
Solche Schreiben berühren in zweierlei Hinsicht: Zum einen lassen die Vorstandsmitglieder Sorgen und Nöte von Menschen nicht kalt. Zum andern empfinden sie es als eher unangenehm, Einblick in persönliche Finanzverhältnisse nehmen zu müssen – auch wenn das wegen einer fairen Verteilung der Fördermittel geboten ist.
Immer mehr Schüler in den Pausen am Handy
Wie befreiend anders kommen zuweilen andere Förderanträge daher. Beispielsweise jener der Sonderpädagogin Alena Finckh von der Albert-Schweitzer-Schule in Münster. Das ist eine Förderschule für etwa 150 Schülerinnen und Schüler der Klassen 1 bis 10 mit Förderbedarfen wie emotionale und soziale, körperliche und motorische, ebenso sprachliche Entwicklung.
Über den Schulalltag schrieb Alena Finckh der Damhorst-Stiftung: „Seit geraumer Zeit beobachten wir Lehrkräfte, wie stark die Handynutzung bei den Kindern zunimmt und sie selbst in den Pausen, die eigentlich für Bewegung, Spaß und Spielen da sein sollten, damit ,herumdaddeln‘.“
Bewegen statt daddeln
Einfach die Handynutzung verbieten, kommt für die erfahrene Pädagogin nicht infrage. Vielmehr möchte sie „unseren Schülerinnen und Schülern eine motivierende Alternative zur aktiven Pausengestaltung bieten, zumal viele in der Corona-Zeit die Lust am Bewegen verloren haben“.
Aus diesem Urteil spricht eine beeindruckende Berufsauffassung: Motivieren statt verbieten, nicht weniger engagiert im Unterricht als in den Pausen, auf der Suche nach Erholung für ihre Kinder.
Die Idee von Alena Finckh war, bodengleiche Trampoline auf dem Schulhof zu installieren. Sie sollten die Kinder in den Pausen zum entspannenden Springen und Hüpfen einladen.
Stiftung sagt in drei Wochen zu
Die Sonderpädagogin war sicher: „Das ist genau das Richtige für unsere Schülerschaft.“ Das Richtige jedoch erforderte eine kostspielige Anschaffung, die den kleinen Förderverein der Schule finanziell überforderte.
Nach der Anfrage von Alena Finckh war es dem Vorstand der Damhorst-Stiftung eine echte Freude, die Anschaffung von Trampolinen für den Schulhof der Albert-Schweitzer-Schule zu bewilligen. Die Förderanfrage erreichte die Damhorst-Stiftung Anfang April 2022. Die nötige Geldsumme sagte sie der Schule drei Wochen (!) später zu.
Jahrelanges Warten
Was folgte, darf als unfreiwillig bezeichnendes Beispiel dafür gelten, wie langsam in Deutschland zuweilen bürokratische Mühlen mahlen. Mehr als drei Jahre (!) brauchten städtische Behörden für Genehmigung und bauliche Umsetzung, bis die Kinder nach den Sommerferien 2025 endlich die ersehnten Trampoline auf ihrem Schulhof vorfanden.
Alena Finckh beschreibt in einer Mail an die Damhorst-Stiftung die Ungeduld an der Schule. Die Freude über die Förderung der Stiftung sei „riesengroß“ gewesen – und „auf eine harte Probe gestellt“ worden: „Wir hatten, ehrlich gesagt, schon den Glauben daran verloren“, schreibt sie über die Jahre des Wartens.
„Als die Kinder nach den Ferien nun die neuen Trampoline entdecken, gab`s kein Halten mehr. Ob groß oder klein, Kind oder jugendlich: Die Trampoline erfreuen sich großer Beliebtheit und werden fleißig und ausdauernd behüpft.“

