Gesichter beim Katholikentag

 

Menschen mit Behinderung aus 20 Einrichtungen im Bistum Münster haben ein außergewöhnliches Altarbild für den großen inklusiven Gottesdienst beim Katholikentag in der Halle Münsterland geschaffen.

 

Hildegard Weiß bringt den Stolz ins Wort, der den Menschen mit Behinderung um sie herum anzusehen ist: „Menschen haben selbst etwas miteinander gestaltet statt dass etwas für Menschen gestaltet wurde.“ Die Referentin für „Seelsorge an Menschen mit Behinderungen“ im Bischöflichen Generalvikariat blickt zufrieden auf eine seit Jahresbeginn laufende außergewöhnliche Aktion zum 101. Katholikentag in Münster zurück.

 

Kunstwerk und Handwerk

Vor dem Caritas-Wohnheim in Ascheberg freuen sich die Hobby-Maler über ihre Leistungen. Aus ihrem persönlichen Einsatz ist ein ansehnliches Gesamt-Bild geworden: ein Kunst-Werk. Der Bindestrich im Wort verweist darauf, dass es ein Werk ist, Handwerk, individuelle Kreativität. Zugleich ist es Kunst, die Menschen verbindet. Vom Ergebnis haben sich beim münsterischen Katholikentag 1500 Besucherinnen und Besucher des großen inklusiven Gottesdienstes in der Halle Münsterland überzeugt.

 

Rund 100 Gesichter, auf vier bauzaungroßen Bannern zu einem Kreuz angeordnet, prägten die Altarwand in der Messehalle unverwechselbar – allesamt gemalt von Menschen mit Behinderung aus 20 Einrichtungen im Bistum Münster, ob aus Everswinkel, Kranenburg, Borken, Telgte, Marl oder Sonsbeck.

 

Die Vorgabe für die Malaktion war für alle gleich: ein kontrastreiches Gesicht in Gelb und Blau auf Papier zu bringen. Gesichter wie Ausrufungszeichen, denn die starke Signalwirkung von Gelb-Blau nutzt inzwischen selbst die Polizei für ihre Fahrzeuge. Diese Gesichter wie Ausrufungszeichen rahmten beim Gottesdienst ein ebenso spektakuläres Geschehen aus der Bibel: das Evangelium von der wunderbaren Brotvermehrung. „Für die Teilnehmer an der Aktion bedeutet das mit Blick auf das Altarbild ganz unmittelbar: Wir sind dabei!“, malte sich Hildegard Weiß die Wirkung auf die Mitmachenden aus.

 

Im Caritas-Wohnheim Ascheberg konnte Johanna Breimann im Frühjahr spontan 13 Bewohnerinnen und Bewohner zum Mitmachen begeistern. „Ich musste gleich noch einen zweiten Tisch dazu stellen“, zeigte sie sich von der lebhaften Resonanz überrascht. Hatten sich seinerzeit manche Ascheberger Hobby-Maler gewundert, warum sie die fertig gestellten Gesichter-Bilder abgeben mussten, bekamen sie wenige Tage vor dem Katholikentag die Erklärung dafür zu sehen: Auf vier PVC-Planen wurden gut 100 verschiedene Bilder in Digitaldruck effektvoll angeordnet.

 

Kreuzförmiges Gesichter-Bild

Dieses beeindruckende Ergebnis im Blick, fieberten die Hobby-Maler aus Ascheberg dem Moment entgegen, an dem sie das kreuzförmige Gesichter-Bild in der Halle Münsterland als außergewöhnlichen Altarschmuck zu Gesicht bekommen würden – und auch das von ihnen gemalte Gesicht auf den Bannern entdecken sollten.

 

Die Gesamtkosten dieses vierteiligen Altarbilds trug die private kirchliche „Hildegard und Paul Damhorst Stiftung“ aus Münster.

 

Der große Gottesdienst beim Katholikentag in der Halle Münsterland hat sich damit als inklusive Veranstaltung erwiesen, die eine Vielzahl von Menschen mit und ohne Behinderung intensiv vorbereitet haben – sei es die Gruppen Gebet, Musik oder eben Kunst. Vor allem für Menschen mit Behinderung ermöglichte das Mitmachen spürbar ein besonders intensives Erleben des Ereignisses.

 

Dazu trug auch der Hauptzelebrant bei, der Erfurter Weihbischof Dr. Reinhard Hauke. Selbst einige Jahre lang Gehörlosen-Seelsorger, ist er inzwischen in der Pastoralkommission der Deutschen Bischofskonferenz zuständig für Menschen mit Behinderung. Selbstverständlich verlief der Gottesdienst in „Leichter Sprache“, damit ihn „mehr Menschen verstehen“ konnten, wie das „Einladungs-Heft“ versprach.

 

Dauerhaftes Kunstwerk

Menschen mit Behinderung, da zeigte sich Hildegard Weiß inzwischen sicher, „waren bei diesem Katholikentag in Münster besonders herzlich willkommen“. Und Doris Rüter, die Behinderten-Beauftragte der Stadt Münster, pflichtete ihr bei: „Ein solches Engagement für Menschen mit Behinderung, angefangen beim außerordentlichen Bemühen um barrierefreie Lösungen, habe ich noch bei keiner vergleichbaren Großveranstaltung in der Stadt wahrgenommen.“

 

Und weil die PVC-Planen bewusst dauerhaft gestaltet wurden, werden sie auch nach dem Katholikentag weiter eingesetzt. Die Ascheberger haben sie bereits für den 13. Juli reservieren lassen. Dann ist Sommerfest im Caritas-Wohnheim, und die Hobby-Maler können Verwandten und Bekannten ihr Kunst-Werk vorführen. Vielleicht erzählen die Gesichter sogar vom Geschehen am See Gennesaret, als Jesus Brot segnete und an die Menschen verteilen ließ.