Die Familie Damhorst

 

Die drei behinderten Söhne Christoph, Benedikt und Gregor sind ausdrücklich nicht Begünstigte der "Hildegard und Paul Damhorst Stiftung". Für ihre Kinder haben die Eltern im Rahmen des geltenden Erbrechts eigenständig und unabhängig von der Stiftung vorgesorgt. Aber die Erziehung ihrer Söhne hat der Gründung und inhaltlichen Ausgestaltung der Stiftung maßgebliche Impulse gegeben.

 

 

Im Jahr 2000, im "Heiligen Jahr" der katholischen Kirche, veranstaltete die Bistumszeitung Münster "Kirche+Leben" mit dem seinerzeitigen münsterischen Weihbischof Dr. Werner Thissen als Geistlichem Begleiter eine außergewöhnliche Pilger-Kreuzfahrt durchs östliche Mittelmeer. Sie führte nach Korinth, Ephesus, Damaskus, an den See Gennesaret und nach Jerusalem, bevor sie in Rom ihren Abschluss fand. Zusammen mit 350 Pilgerinnen und Pilgern war auch Familie Damhorst an Bord von "MS Columbus".

 

Für Hildegard und Paul Damhorst bedeutete diese Reise mit ihren drei erwachsenen behinderten Söhnen Christoph, Benedikt und Gregor einen organisatorischen Kraftakt und ein Wagnis. Wie würden die Mitreisenden auf ihre Söhne reagieren? Wie würden die Söhne sich in eine solche große Gesellschaft einfinden? Wie würden Christoph, Benedikt und Gregor auf die spirituellen Impulse reagieren, die diese Pilgerfahrt prägten?

 

Die Kreuzfahrt wurde nicht nur für die allermeisten Pilger zum außergewöhnlichen Erlebnis, ebenso für die gesamte Familie Damhorst. Im Kreis engagierter Christen erfuhr das Ehepaar vielfältige Aufmerksamkeit und Wertschätzung angesichts seiner außerordentlichen Lebensleistung. Die drei Söhne fanden sich an Bord und bei Ausflügen gesellig in die Reisegruppe eingebunden, konnten zu einigen Pilgern sogar einen vertrauten Umgang aufbauen. Und die feierlichen Gottesdienste an zentralen Stätten des Neuen Testaments beeindruckten Christoph, Benedikt und Gregor spürbar.

 

Die Kreuzfahrt im Heiligen Jahr wurde zum Ausgangspunkt weiterer Leserreisen der Familie, vor allem aber schenkte sie den Eheleuten für ihre Stiftungs-Überlegungen maßgebliche Erkenntnisse wie diese: Behinderte Menschen profitieren von einer anspruchsvollen Freizeitgestaltung, sie lassen sich von spirituellen Angeboten innerlich erfassen, und im Kreis von engagierten Christen gelingt ihnen eine gute Teilhabe am gesellschaftlichen Leben.

 

Diese Grunderfahrungen des Ehepaars Damhorst aus den Reisen der Familie in großen Leser-Gemeinschaften von "Kirche+Leben" haben Charakter und Absicht der Stiftung mitgeprägt: eine kirchliche Stiftung, die Menschen mit Behinderung gehaltvolle Freizeit-Erlebnisse eröffnen möchte – darunter auch spirituelle Anregungen.

 

Vor allem aber ist die Stiftung die Frucht einer kräftezehrenden Erziehung. Dem Ehepaar Damhorst wurden drei Söhne geschenkt, allesamt Wunschkinder: Christoph geb. 1959, Benedikt geb. 1962 und Gregor geb. 1964. Bei ihnen stellte sich während der Pubertät eine geistige Behinderung heraus – und damit eine Lebensaufgabe für die Eltern. Ab sofort standen eigene Lebenswünsche der Eheleute hintenan.

 

Im Stifter-Brief deuten Hildegard und Paul Damhorst an, welche fordernde Aufgabe ihnen das Leben gestellt hatte: "Warum trifft so manche Familie ein so schweres Schicksal? Wie kann man als Eltern mit ganzem Herzen in so eine Aufgabe einwilligen? Fragen wie diese wollten über die Jahre nie weichen. Oft gab es nur eine Antwort darauf, die in schweren Stunden weiterhalf – die Tat: den liebevoll umsorgenden Einsatz für unsere Söhne Christoph, Benedikt und Gregor."

 

Was diese Aufgabe so schwer macht? Sie enttäuscht die üblichen Eltern-Erwartungen. Im Stifter-Brief schreibt das Ehepaar: "Die Hoffnung aller Eltern, ihre Kinder schrittweise lebenstüchtig und selbstständig zu machen – plötzlich erschien sie als eine Illusion." Mit hohem Einsatz sorgten Hildegard und Paul Damhorst über Jahre dafür, dass ihre Söhne in unterschiedlichen Werkstätten von "Westfalenfleiß" Beschäftigung fanden, den Weg zur Arbeit und nach daheim selbstständig bewältigten und eigene Freizeitinteressen entwickelten.

 

Seit einigen Jahren leben die Drei nicht mehr im elterlichen Haus, sondern in unterschiedlichen Wohnstätten der "Lebenshilfe" und von "Westfalenfleiß" in Münster – selbstbestimmt und eigenständig, soweit das ihren Möglichkeiten entspricht. Inzwischen kann das Ehepaar gelassen auf seine Lebensleistung zurückschauen: Groß ist die Freude, wenn die Söhne am Wochenende ihre Eltern daheim besuchen. Aber Hildegard und Paul Damhorst beobachten ebenso erleichtert, "wenn sie dann froh und zufrieden wieder in ihre eigenen Wohnungen zurückkehren".